Chaos im Märchenwald - Saisonauftakt auf der Freilichtbühne

Die Vorfreude in Herdringen wächst: Am 6. Juni öffnet die Freilichtbühne Herdringen um 15 Uhr ihre Tore für die neue Saison des Familientheaters. Die Vorfreude liegt förmlich in der Luft, denn das Ensemble der Freilichtbühne hat sich unter der Regie von Bärbel Kandziora und Spielleitung Sandra Blumenthal monatelang intensiv auf den Start in die Sommersaison 2026 vorbereitet.  Mit dem fantasievollen Familien-Musical „Rabatz im Zauberwald“ erwartet die Besucher ein turbulentes Abenteuer voller bekannter Märchenfiguren, witziger Dialoge, mitreißender Musik und einer wichtigen Botschaft über Freundschaft und Zusammenhalt.

Die Handlung verspricht beste Unterhaltung für die ganze Familie: Im friedlichen Märchenwald leben Figuren wie Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Frau Holle oder der gestiefelte Kater und führen Tag für Tag ihre bekannten Geschichten auf. Doch plötzlich gerät die Märchenwelt aus den Fugen. Eine Bande frecher Ratten sorgt für Chaos und stiehlt den Märchenwesen ihre wichtigsten Gegenstände: Rotkäppchen verliert ihr berühmtes Käppchen, der Hexe fehlen die Lebkuchen und selbst der gestiefelte Kater steht plötzlich ohne seine Stiefel da.

Ohne ihre typischen Merkmale können die Märchen nicht mehr erzählt werden – und drohen nach und nach in Vergessenheit zu geraten. Um das Gleichgewicht im Zauberwald wiederherzustellen, ruft der König kurzerhand die Märchenpolizei ins Leben. Ein ungewöhnliches Ermittlerteam aus Hexe, gestiefeltem Kater, Aladin, Pinocchio und Dornröschen macht sich gemeinsam mit dem weisen Rollum und einem quirlig-chaotischen Elfchen auf die Suche nach den Dieben.

Bald stoßen die Helden auf den wahren Drahtzieher: den finsteren schwarzen Zauberer, der nach einer früheren Niederlage nur noch in seinem Schloss Macht besitzt und nun versucht, das Märchenreich endgültig ins Chaos zu stürzen. Mit Mut, Witz und Zusammenhalt stellen sich die Märchenfiguren dem Bösewicht entgegen. Dabei verbindet die Inszenierung klassische Märchenwelten mit modernen Ideen und viel Humor. Genau das macht die Produktionen der Freilichtbühne Herdringen seit Jahren so beliebt.

Regisseurin Bärbel Kandziora blickt mit großer Freude auf die diesjährige Produktion. „Eigentlich macht mir alles an der Regiearbeit für die Freilichtbühne total viel Spaß - naja, außer vielleicht die Probenpläne zu schreiben“, erzählt sie lachend. Besonders beeindruckt zeigt sie sich vom Einsatz der vielen Ehrenamtlichen hinter den Kulissen: „Ganz besonders begeistert mich zu sehen, mit wie viel Herzblut alle dabei sind, wie viel Zeit auf und in diesem Jahr ganz speziell hinter den Kulissen ehrenamtlich investiert wird. Der Neubau des Kioskgebäudes und die komplette Umgestaltung des Außengeländes rundherum sind eine unglaubliche Leistung. Einfach Wahnsinn, wie die Bühne das in dieser kurzen Zeit realisiert hat.“

Auch inhaltlich setzt sich das Stück mit der Bedeutung klassischer Märchen auseinander. Kandziora beschreibt ihre Haltung dazu offen und differenziert: „Ich bin ein wenig ambivalent, was Märchen angeht“, sagt sie offen. „Zum Beispiel habe ich es nicht über‘s Herz gebracht, meiner kleinen Tochter zu erzählen, dass zwei Kinder eine alte Frau in den Ofen schubsen, damit sie darin verbrennt – egal, ob die alte Frau nun böse war oder nicht, das kam mir nicht über die Lippen. Stattdessen ließ ich Hänsel und Gretel alles Geld der Hexe klauen und schnell nach Hause flüchten.“

Auch andere Märchenmotive betrachtet sie kritisch: „Und dass der Wolf die Geisslein frisst, konnte ich nicht ausschließlich als böse Tat so stehen lassen, schließlich ist er Fleischfresser und muss sich von irgendwas ernähren.“ Ebenso hinterfragt sie klassische Rollenbilder: „Genauso fragwürdig ist für mich die Selbstverständlichkeit mit der Dornröschen oder Schneewittchen die Augen aufschlagen und im nächsten Moment ihre Retter ehelichen - die kannten sich vorher ja nicht mal!“

Dennoch seien Märchen bis heute ein wichtiger Bestandteil kultureller Traditionen. „Märchen werden schon lange von Generation zu Generation weitergetragen“, betont die Regisseurin. Genau diese Idee greift „Rabatz im Zauberwald“ auf: „Man kann die Märchenfiguren von einer anderen Seite kennen lernen, sozusagen privat oder „out of duty“. Man erlebt ihre Angst vergessen zu werden, weil niemand mehr ihre Geschichten erzählen kann. Insofern ist das Stück ein Plädoyer für die lebendige Weitergabe von Märchen mit der Freiheit Elemente daraus zu hinterfragen und zu aktualisieren.“

Vor allem aber soll das Publikum einen unterhaltsamen Nachmittag erleben. „Ich freu mich total auf die Ratten, die dem bösen Zauberer helfen, sich aber mit ihrer Dummheit selbst im Wege stehen, auf die bunte Schar an Märchenwesen, die sich mächtig zusammenraufen müssen, um das Märchenreich zu retten, auf knackige Choreografien, originelle Kostüme, coole Songs, humorvolle Dialoge und ich verspreche ein spannendes Familientheaterstück voller Witz und Verstand.“

Damit dürfte die neue Saison der Freilichtbühne Herdringen einen märchenhaften Auftakt erleben – mit einem Familienstück voller Fantasie, Humor und Herz, das Kindern ebenso wie Erwachsenen zeigt, warum Märchen auch heute noch nichts von ihrem Zauber verloren haben.