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70 Jahre Freilichtbühne – weit über 100 Inszenierungen Freilichtbühne Herdringen begeistert seit 1949

Herdringen. Sie ist ein Dauerbrenner. Die Freilichtbühne Herdringen begeistert ihre Besucher seit 70 Jahren. Mit der Spielzeit 2016 feierte ihre 100. Inszenierung, im Sommer 2019 ihr 70-jähriges Bestehen. Vier Generationen einiger Familien haben über Jahrzehnte ihre Rollen auf der Bühne gelebt und ihre Aufgaben im Verein mit Hingabe erfüllt: Mit Teamgeist und Hilfsbereitschaft, mit Verantwortung und Kreativität, mit Neugier und Mut. Die Eigenschaften sind heute so aktuell wie 1949. Die katholische Jugend fand sich damals unter Pater Theo Thüte zusammen. Sie beschlossen eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Denn eigentlich ist die Herdringer Theatertradition bereits über 130 Jahre alt. Sie beruht auf dem Einsatz des Herdringer Lehrers Heinrich Knoche, der sich nicht nur als Mathematiker einen Namen machte, sondern mit dem Männergesangverein auch Volksstücke auf die Bühne brachte. Der Grundstein der Herdringer Theatergeschichte war gelegt.

 

Tradition aus dem 19. Jahrhundert

Den Startschuss zur ersten großen Aufführung gab die Gräfin Thun-Hohenstein. Sie war vom Einsatz der Dorfjugend mit ihren kleinen Theaterstückchen so begeistert, dass sie den Regisseur Anton Funke aus Hamm nach Herdringen lotste. Seine erste Inszenierung fand in der Gaststätte „Schmidt’s Hof“ mit 38 Schauspielern statt. In „Schmidt’s Saal“ wurde „Der verlorene Sohn“ zum einem riesigen Erfolg: zu den acht Aufführungen kamen 2000 Besucher. Aber Schmidt’s Saal wurde bald zu klein, 1953 musste für den „Bettler vor dem Kreuz“ schon die Schützenhalle herhalten, eine Übergangslösung. 

 

Seit 1954 Freilichttheater

Im Frühjahr 1954 entschied sich der junge Verein zum Freilichttheater und zog in den stillgelegten Steinbruch. Es herrschte eine Aufbruchstimmung angesichts der „Naturkulisse von imposanter Schönheit“. Doch die Natur ließ sich nicht lange bitten. „Wilhelm Tell“ verregnete von vorn bis hinten. 1955 der zweite Tell-Anlauf: Wieder begann es zu regnen. Aber die Bühne trotzte dem Tell-Wetter: Noch während der Spielzeit feierte sie das Richtfest für die Dachkonstruktion der ersten Tribüne, die fortan bis zu 1000 Zuschauern Schutz bieten sollte. 

Die Spieler, die zu den ersten Aufführungen immer von den Umkleiden im Gasthof Schweineberg im Regen zur Bühne laufen mussten, waren froh, als sie eine ausgediente Flüchtlingsbaracke als erstes improvisiertes „Spielerheim“ aufstellen konnten. 1974 kam endlich der Bau des richtigen Spielerheims. 

 

Zuschauerrückgang ausgekontert

Aber Theater wäre nicht Theater, wenn es nicht unberechenbar wäre. Der Zuschauerschwund ab Ende der 60er Jahre erforderte eine Reaktion. Deshalb: 1978 führte die Bühne erstmals ein Kinderstück auf. Der „Räuber Hotzenplotz“ ließ die Zuschauerzahlen wieder nach oben schnellen. Aber es dauerte weitere fünf Jahre, ehe die Spielschar groß genug war, um zwei Stücke in der Saison anzubieten. Auch das wurde zu einem Erfolg, ebenso wie das Wintertheater, das seit 2003 im Spielerheim intime Theateratmosphäre vermittelt. 

Das wurde erst möglich durch eine Katastrophe. Das Spielerheim brannte ab. Vernichtet wurde alles, von den Kostümen bis zur Heimstätte. Aber dadurch entstand die Chance auf Neues. Das neue Spielerheim entstand in der heutigen Größe und schuf eine Chance für das dritte Theaterstück: Das Wintertheater auf der Studiobühne im großen Saal des Spielerheims.  

 

Kulturverein für die Region

Längst ist die Freilichtbühne kein Dorfverein mehr. Er ist ein Verein für die ganze Stadt, für die ganze Region. Die Aktiven kommen aus Sundern oder Wickede, Ense oder Alt-Arnsberg und natürlich auch aus Herdringen. Die Familien, die bereits in dritter oder vierter Generation an der Bühne aktiv sind, arbeiten Hand in Hand mit Mitgliedern, die erst frisch ihre Liebe zum Theater entdeckt haben.  

Sie arbeiten handwerklich im Bühnenbau oder in der Technik, arbeiten künstlerisch in der Maske oder als Schauspieler, schneidern Kostüme oder verkaufen Snacks und Getränke: Die komplette Bühnenarbeit wird von den Mitgliedern mit großem Gemeinschaftssinn getragen. Egal ob jung oder alt, egal ob Mann oder Frau. Jeder kann sich einbringen mit dem was er kann. Es gibt viele Felder, sich zu verwirklichen. Und: die Freilichtbühne ist jederzeit offen für neue Mitglieder in allen Gewerken.  

 

Freilichtbühne - Pool von Ehrenamtlern, die sich ausprobieren dürfen

Weder muss man in Herdringen wohnen, noch muss man schauspielern können. Jeder ist mit seiner eigenen Kompetenz willkommen, wenn er Spaß am gemeinschaftlichen Wirken hat. Das ist die größte Stärke der Freilichtbühnengemeinschaft. Alle arbeiten ehrenamtlich, auch der Vorstand, die Geschäftsführung die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Einzig in der künstlerischen Leitung, also bei der Regie, greift die Freilichtbühne auf professionelles Können zurück. Schließlich will sie ihren Gästen bestmögliche Stücke präsentieren. 

So stellt sich die Freilichtbühne aktuell, modern und zeitgemäß auf. Kinderklassiker und Lustspiele gehören ebenso zu den Inszenierungen, wie die in den vergangenen Jahren vermehrt aufgeführten Musicals, mit mehr Aufwand, mit mehr Professionalität. Weit über 300 aktive Mitglieder arbeiten in verschiedenen Gewerken zusammen, oder spielen auf der Bühne vor Publikum. Das Baby ebenso, wie der Großvater. Seit 1949 haben das bereits über eine Million Besucher mit ihrem Applaus belohnt. 

 

Verband Deutscher Freilichtbühnen (VDF)

Die Freilichtbühne Herdringen e.V. ist mit Mitglied im Verband Deutscher Freilichtbühnen (VDF). Dieser ist 1974 gegründet worden und ist der einzige Fachverband in der Bundesrepublik, der speziell die Interessen des Amateurfreilichttheaters vertritt.

Nachfolgend der Imagefilm des VDFs und der Film "Jugendarbeit im VDF".